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Breguet Atlantic

Aeronauticum Nordholz

Der Norden ist mit Flugzeug­ausstel­lungen und Luft­fahrt­museen nicht gerade reich geseg­net. Um so schöner ist es für Freunde der Luft­fahrt, dass es mit dem Deutschen Luft­schiff- und Marine­flieger-Museum „Aero­nau­ticum” in Nordholz bei Cuxhaven ein kleineres aber sehens­wertes Museum gibt, das einen Quer­schnitt durch die Flug­zeuge der Bundes­marine ab Gründung der Bundes­wehr Mitte der Fünfziger Jahre zeigt. Im Museums­gebäude sind zudem große Modelle von Luft­schiffen und viele Informa­tionen dazu von den Anfängen zu Beginn des 20. Jahr­hun­derts bis zur „Hinden­burg” zu sehen. Der Zustand der aus­gestel­lten Expo­nate ist mittel bis gut, aller­dings wünscht man den Betrei­bern einen edlen Spender, damit die „Milch­glas”-Cockpit­scheiben einiger Flugzeuge einmal gegen durch­sichtige Exem­plare ausge­tauscht werden kön­nen. Das Aero­nauti­cum befin­det sich direkt neben der Ein­fahrt zum Marine­flieger­geschwader 3 „Graf Zeppelin”.

Ein kleiner Rundgang durch die Ausstellung:

Fairey Gannet Die ein bisschen häss­liche Fairey Gan­net war der erste U-Boot-Jäger der Bun­des­marine. Sie wurde we­gen der sich ähnelnden Flügel­formen nach einem größe­ren See­vogel Bass­tölpel (engl. = Gannet) ge­nannt. Mit Radar und Sono­bojen aus­gestat­tet, konnte sie U-Boote auch unter Was­ser auf­spü­ren und mit Torpedos und Minen bekäm­pfen. Sie hatte eine drei­köpfi­ge Besat­zung. Die Bristol Zwil­lings-Propel­ler­tur­bine leistete 2740 PS. 1966 wur­de sie durch die Breguet Atlan­tic ab­gelöst.
Hunting Percival Pembroke Die Hunting Percival Pembroke C.Mk.54 wurde als Transport-, Ver­bin­dungs- und Ausbil­dungs­flugzeug für die Schulung von Piloten, Bord­funkern und Bild­personal einge­setzt. Zwei 9-Zylin­der Alvis Leonides Stern­moto­ren mit je 550 PS sorg­ten für den Antrieb des Hoch­deckers. Die „Pem” hatte 4 Mann Besat­zung und konnte bis zu 8 Pas­sa­giere bzw. Schüler beför­dern. Sie war bei der Marine zwi­schen 1958 und 1972 im Ein­satz.
Piaggio P-149 D Die P-149 D wurde bei Piaggio (Her­stel­ler des Ves­pa-Rol­lers) und in Lizenz bei Focke-Wulf in Bremen her­gestellt. Das 6-Zylin­der Lyco­ming-Trieb­werk mach­te das Flug­zeug über 300 km/h schnell. Die Bun­des­wehr erhielt ins­ge­samt 266 der vier­sit­zigen Maschi­nen, die zur Piloten­aus­bildung und als Verbin­dungs­flugzeug genutzt wur­den. Ab den 1970er-Jahren wur­de der Typ nach und nach durch die Do 28 ersetzt. Die letzten „Piggis” wurden aller­dings erst 1990 außer Dienst gestellt.
Breguet Atlantic Die Breguet Atlantic ersetzte ab 1966 die Fairey Gannet als U-Boot-Jäger. Moder­nere Sensoren, ver­bes­sertes Radar, stär­kere Bewaf­fnung und eine wesent­lich größere Reich­weite zeich­neten die Atlantic gegen­über dem Vor­gän­ger aus. Mit den beiden Rolls-Royce Tyne Trieb­wer­ken erreichte sie eine Ge­schwin­dig­keit von bis zu 650 km/h. Die Besat­zung bestand aus 2 Pilo­ten, 2 Luft­opera­tions-Offi­zieren, Mecha­niker, Funker sowie 6 Boots­leuten für die U-Boot-Ortung.
Fouga Magister Der französische Strahltrainer Fouga CM-170 Magister diente ab 1957 bei der Bundes­wehr zur Pilo­ten­aus­bil­dung. Durch die Verle­gung der Jet-Ausbil­dung in die USA wurde dieser Flug­zeugtyp schon zwischen 1966 und 1969 wie­der aus­gemus­tert. Die beiden Turbo­meca Marbore Trieb­werke fielen weniger durch Leistung als durch ihr schrilles Geräusch infolge der hohen Dreh­zahl von über 20.000 U/min auf. Die Höchst­geschwin­digkeit betrug 650 km/h, die Reich­weite 1200 km.
Hawker Sea Hawk Die Hawker Sea Hawk wurde bei der Marine ab 1958 als Abfang­jäger, Jagd­bomber und Auf­klärer einge­führt. 68 Maschinen wurden von der Bundes­marine beschafft. Sie war für den Einsatz auf Flug­zeug­trägern vor­ge­sehen und hatte dafür hoch­klapp­bare Trag­flächen. Schon Mitte der 60er Jahre wurde die Sea Hawk (engl. für Seefalke) durch den Star­fighter ersetzt. Der Flug­zeug­typ ging 1950 in Serie und ist mit einer Ge­schwin­digkeit von max. 964 km/h noch ein Unter­schall­jäger.
Lockheed F104 Starfighter Erinnerungen an die eigene Bun­des­wehr­zeit werden wach. Die Lock­heed F104 Star­fighter dürfte eines der umstrit­tensten Flugzeuge der Bundes­wehr gewe­sen sein. Sie war das erste Jagd­flugzeug in der Bun­des­repu­blik, das mehr als Mach 2 er­reich­te. Ihre Flug­eigen­schaften stell­te die Pilo­ten vor neue Heraus­for­de­rungen. Dies und einige techni­sche Probleme führten dazu, dass die Bun­des­wehr im Laufe der Ein­satz­zeit von 1960 bis 1991 269 ihrer 916 F104 durch Absturz verlor.
Sukhoi SU-22 Auch ein Jagdbomber der ehema­li­gen Natio­nalen Volksarmee der DDR ist hier vertre­ten: Diese Sukhoi SU-22 M4 war von 1984 bis 1990 beim Jagd­bomber­geschwa­der 77 in Laage bei Rostock sta­tio­niert. Der ein­sitzige Schwenk­flügler wur­de aller­dings nach der Wieder­ver­eini­gung nicht von der Bundes­wehr über­nommen. Er steht hier seit 1994 mit der ursprüng­lichem Lackie­rung und dem Kenn­zeichen des JBG 77.

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Hubschrauber Mi-8 Der von den früheren sowjetischen Mil-Werken produzierte Hub­schrau­ber Mi-8 steht hier in zwei Versio­nen: als normaler Transport-Hub­schrauber und in der hier gezeigten VIP-Version mit komfor­tabler Aus­stat­tung inkl. Toilette, Bar und Tele­fon. Er diente zu DDR-Zeiten in der Regie­rungs­flieger­staffel und als Trans­port-Hub­schrau­ber für die Ma­ri­ne­füh­rung. Auch nach der Wie­der­vereini­gung wurde er noch bis 1994 weiter­genutzt. Er bietet Platz für bis zu 10 Passa­giere.
Panavia Tornado 1970 begann die Entwicklung des Multi Role Combat Aircraft (MRCA) durch ein inter­natio­nales Firmen­konsor­tium. 1973 startete er zu seinem Erst­flug. Kurz­start­fähig­keit durch Schwenk­flügel, Tief­flug bei hohen Geschwin­dig­keiten durch das neue Gelände­folge­radar und Luft­betankungs­möglich­keit eröff­neten Luft­waffe und Marine­fliegern neue Möglich­keiten. Zwei Tornados stehen im Aero­nauticum. Heute wird der Tor­nado nur noch durch die Luft­waffe ein­gesetzt.
Dornier Do 28 D2 Zwei Dornier Do 28 Skyservant sind hier aus­gestellt. Die Bundeswehr erhielt zwi­schen 1971 und 1974 121 Maschi­nen dieses Trans­port- und Verbin­dungs­flugzeugs. 1994/95 wur­den die Maschinen aus­gemus­tert und in den Folge­jahren durch die leis­tungs­fähigere Do 228 ersetzt. Die links gezeig­te Maschi­ne wurde 1984/85 als eine von zwei Flug­zeu­gen für Öl­über­wachungs­auf­gaben umgerüs­tet, um in Nord- und Ostsee Umwelt­sünder unter den Schiffs­besat­zun­gen zu über­führen.
Kabine der Do 28 D2 OU Hier ist der Überwachungs-Arbeits­platz in der Kabine zu sehen. 1991 wurde die gezeig­te Maschine nach Ende des Irak-Krieges für einige Wochen im persi­schen Golf einge­setzt. Aus dieser Zeit hat sie die weiße Lackierung. Mitte der 90er Jahre wurde sie ausge­mustert. Von 1986 - 2002 wurden durch die Be­sat­zungen der Öl-Do's rund 2900 Meeres­ver­schmut­zungen fest­ge­stellt. Viele Verur­sacher konnten dabei identi­fiziert werden.
VFW 614 Die Entwicklung der VFW 614 begann 1961 mit dem Ziel, einen Ersatz für die alte DC 3 zu schaffen. Um auf schlech­teren Lan­de­bah­nen in Ent­wick­lungs­ländern lan­den zu können, hatte sie die Trieb­werke an unge­wöhn­licher Position auf den Trag­flächen, damit keine Steine oder Sand angesaugt werden. Der Typ wurde aller­dings kein Erfolg. Nach Fertigung von 13 Serien­maschinen sowie 3 Flug­zeu­gen für die Flug­be­reit­schaft der Bundes­wehr wurde das Pro­gramm 1977 eingestellt.
Führergondel In den Ausstellungshallen liegt der Schwerpunkt auf Luftschifftechnik. Ein maß­stabs­getreuer Nachbau der Führer­gondel des Marine-Luft­schiffs L 61 aus dem Jahr 1917 gibt einen Einblick in den Stand der Technik des 1. Welt­kriegs beim Einsatz von Luft­schiffen. Im Origi­nal war das Luft­schiff aller­dings schwarz, damit es bei nächt­lichen Opera­tionen nicht so leicht ent­deckt werden konnte. Rechts im Bild sieht man ein wei­te­res großes Modell der Schütte-Lanz S-L II aus dem 1. Welt­krieg.
Innenansicht der Führergondel Ein Blick in das Innere der Führer­gon­del: Im Vorder­grund sieht man den Bord­funker, dahinter (oder besser davor) steht verdeckt der Höhen­steue­rer, vorn in der Kanzel der Seiten­steue­rer, rechts davon Komman­dant und Ober­steuer­mann. Auf der Leiter steigt der Segel­macher nach oben, der sich um den Zu­stand der Hülle und der Gas­zel­len kümmern musste. Ins­gesamt be­stand die Besat­zung bei die­sem Luft­schiff mit Maschi­nisten aus 20 - 21 Personen.
Modell der LZ129 „Hindenburg” In der Graf-Zeppelin-Halle ist ein großes Modell der LZ 129 „Hinden­burg” ausgestellt. Sie war mit 245 m Länge und 41 m Durch­mes­ser das größte und luxu­riöseste Luft­schiff, das je gebaut wur­de. Mit dem Un­glück vom 6. Mai 1937, bei dem sie bei der Lan­dung in Lake­hurst/USA vermut­lich durch elek­tro­statische Ent­ladung in Ver­bin­dung mit undich­ten Gaszellen im hin­teren Bereich in Flammen auf­ging und aus­brannte, endete die Aera der großen Passa­gier­luft­schiffe.

Mehr Informationen auf der Homepage des Aeronauticums …



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