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Container-Terminal

Hafenrundfahrt

Mit der „Lady Sunshine” durch Bremerhavens Überseehäfen

MWB-Schwimmdock
Die Hafenrundfahrt mit der „Lady Sunshine” oder der „Hein Mück” führt dicht an den Schwimm­docks wie hier dem Dock V der Motorenwerke Bremerhaven (MWB) vorbei
Die Sonne verwöhnt uns im Sommer 2008 nicht gerade. Aber heute ist das Wetter prima: Blauer Himmel, nicht zu heiß - gute Gelegenheit, das Hafen­geschehen einmal vom Wasser aus zu beobachten. Aber der Mann am Fahr­kar­ten­schalter im Tourist-Center macht uns erstmal einen kleinen Strich durch unsere Planung. Die „Hein Mück”, das zweite Ausflugs­schiff für Hafenrund­fahrten neben der „Lady Sunshine”, hat Maschinen-Probleme und fährt heute nicht. Die Rundfahrt geht also eine Stunde später los. Normaler­weise fahren die Schiffe in der Haupt­saison fast stündlich im Wechsel. Na gut, wir haben noch nicht zu Mittag geges­sen und Lloyd's Bistro ist gleich um die Ecke, da müssen wir nicht weit laufen und können die Zeit sinn­voll nutzen.

Zwanzig Minuten vor der Abfahrt gehen wir zum Anleger am Neuen Hafen. Man möchte ja einen guten Platz ergat­tern. Dass wir nicht die Einzigen sind, war uns schon klar, aber die Menschen­traube, die dort schon wartet, lässt nichts Gutes erahnen. Als es endlich an Bord geht, kann man sich kaum vorstellen, dass diese große Personen­zahl auf das kleine Schiff passt.

Eisbrecher „Wal”
Das Traditionsschiff „Wal”, ein Dampf-Eisbrecher aus dem Jahr 1938, hat seinen Liegeplatz im Neuen Hafen. Er läuft noch regelmäßig zu verschiedenen Törns aus.
Aber es klappt dann doch irgendwie. Als alle Passagiere an Bord der Barkasse sind, ist kein Platz mehr frei. Die Sitze sind derart eng ge­stellt, dass man sich so gerade reinquetschen kann. Dagegen ist ein Mallorca-Touristen­flie­ger richtig komfortabel. Will man ein Foto machen, muss man aufstehen, wenn nicht lauter Köpfe im Bild haben möchte, aber das geht kaum, ohne den Neben­mann anzu­rem­peln. Und bitte nicht das Bier­glas des Tisch­nachbarn umkippen. Gott sei Dank ist bei die­sem Wetter das gläserne Dach samt Seiten­scheiben über die Aufbauten des Achter­schiffs gefahren worden und man hat weit­gehend unbehin­derte Sicht.

Kaiserdock I
Stolz der Lloyd-Werft: Plakat der „Pride of America” an der Überdachung des Kaiserdocks I
Dann geht's los – durch den Neuen Hafen – vorbei an den Traditions­schiffen „Wal” und „Goliath”, die auf der rechten Seite liegen, am Großen Leuchtturm neben der neuen Schleuse und am Yacht­hafen auf der Back­bord-Seite. Die Klappbrücke am Übergang zum Kaiser­hafen I ist geöffnet und so fahren wir in das Übersee­hafen­gebiet. In Bremer­haven gibt es die Kurio­sität, dass dieser Bereich des Hafens und der größte Teil des Container­terminals zum Stadt­gebiet von Bremen und nicht von Bremer­haven gehört. In der Praxis ist diese Angele­genheit allerdings vor allem für die Kommunal­politiker interessant.

„Blue Giant”-Heck
Bei der Lloyd-Werft wird die Steuerbord-Maschine des Spezial-Dockschiffs „Blue Giant” einem Testlauf unterzogen. Rechts sieht man den Bug des Autotransporters „Falstaff”.
Auf der rechten Seite liegt das Betriebs­ge­län­de der Motoren­werke Bremer­haven (MWB); das Unter­nehmen entstand 1957 aus einer Repa­ratur­werft der amerika­nischen Marine.
In einem Schwimm­dock wird gerade ein Schwimm­kran, in dem zweiten ein RoRo-Frach­ter über­holt. Im Kaiser­hafen II und III, die sich an den Kaiser­hafen I anschließen, ist heute wenig los. Um so mehr Betrieb herrscht dage­gen auf der Lloyd-Werft. Im Schwimm­dock im Kaiser­hafen III liegt der Rotter­damer Hafen­schlepper „ZP Montali” und ein weiterer Schlep­per, im Kaiserdock II liegt der Auto­trans­porter „Falstaff”, davor am Kai ein wei­terer Auto­trans­porter, die „Autostar”.

An der Überdachung des Kaiserdocks I prangt ein großes Plakat, das den Stolz der Werft über den Bau des Luxusliners „Pride of America” zum Ausdruck bringt. Dabei hat ausge­rechnet dieses Schiff die Werft an den Rand einer Insolvenz gebracht: Am 14. Januar 2004 bekam das fast fertig gestel­lte Schiff, das am Ausrüstungskai lag, bei stürmischem Wetter Schlag­seite, Wasser drang in den Rumpf ein und das Schiff sank auf den Hafengrund. Nach einer Zeit der Ungewiss­heit konn­te die Werft gerettet, der Bau fortgesetzt und das Schiff mit rund einem Jahr Verspätung aus­geliefert werden.

„Leander”; im Dock
Ganz nah kommen wir am Dock III der Lloyd-Werft vorbei, in dem sich der Tanker „Leander” befindet. Antriebs­propel­ler und Ruder­anlage ist hier gut zu sehen. Wenn man mit der Maus über das Bild geht, sieht man etwas mehr vom Schiff.
Weiter geht's in den Verbindungshafen. Am Ausrüstungskai liegt das Spezial-Dockschiff „Blue Giant” mit seiner charakte­ristischen Hub­schrauber-Lande­plattform am Bug. Es ist ein Neubau, der hier fertig­gestellt wurde (die Werft ist haupt­sächlich auf Reparaturen und Umbauten spezialisiert). Der Rohbau ent­stand auf einer polnischen Werft. Zwei Wochen vor unserer Rundfahrt wurde das Schiff ge­tauft. Es kann zur Aufnahme kleinerer Schiffe wie ein Schwimm­dock abgesenkt werden. Nach der Übergabe an die Reederei wird die „Blue Giant” zur Versorgung von Öl-Bohr­inseln ein­gesetzt. Etwas weiter nördlich liegt der 145 m lange Tanker „Leander” im Dock III der Werft.


Autotranporter „Autoprestige”
Hier wird's eng: Der Autotransporter „Autoprestige” fährt vom Nordhafen in den Verbindungshafen zur Lloyd-Werft. Am rechten Bildrand sieht man die zur Seite geschwenkte Eisenbahnbrücke.
Dann geht es bei zur Seite gedreh­ter Eisen­bahn­brücke in den Ost- und Nord­hafen. Nor­malerweise herrscht hier reger Betrieb, denn in diesem Hafen­bereich befindet sich das Auto­terminal, an dem die großen Autotrans­porter Autos, LKW's und Bauma­schinen anlie­fern und neue Ladung wieder aufnehmen. Die riesigen Hoch­garagen und die Unmenge an Land ge­park­ter Autos lassen die Dimen­sionen des Bremer­havener Auto­umschlags erahnen. An diesem Tag liegt aber nur die „Breant” der finni­schen Stella-Reederei im Nordhafen. Der Ost­hafen ist leer. Schlechtes Wetter am Vor­tag hat zu Verspä­tungen der Schiffe geführt, erklärt uns der Kapitän der „Lady Sunshine”.

Autotransporter „Breant”
Die „Breant” bringt häufig LKWs von und nach Scandinavien. Sie wird über eine Rampe am Heck be- und entladen. Ihr Heimathafen ist London.
Das Containerterminal kann man vom Wende­becken aus nur von der Rück­seite sehen (siehe Bild ganz oben). Von der See­seite aus kann man es bei einer anderen Tour mit der „Wega II” besich­tigen, die auch an der Colum­bus-Kaje vorbei­führt.

Unsere Rundfahrt geht nun auf dem gleichen Weg wieder zurück zu unserem Ausgangs­punkt im Neuen Hafen. Bei den anderen Fahr­gästen neben mir entschul­dige ich mich nach­träg­lich für mein Herum­geklet­tere auf meinem Stuhl. Ich habe sie bestimmt genervt. Mit zwei ein­satz­fähigen Schiffen dürfte die Enge an Bord aber wohl nicht so schlimm sein.

So können wir die Fahrt weiterempfehlen, weil man nah an's Geschehen kommt und eine Menge interessanter Informationen erhält.



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