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Greetsiel hat den schönsten Kutterhafen an der Nordseeküste |
Greetsiel
Greetsiel liegt nördlich von Emden, der Heimatstadt Henri Nannens und Otto Waalkes. Greetsiel ist nicht einfach nur ein Urlaubsort an der Küste, er ist ein zweipoliger Magnet: einerseits anziehend – eine richtige kleine „Nordseeperle” und manchmal abstoßend zugleich, weil so viele Menschen den Ort entdeckt haben und er zuweilen hoffnungslos überlaufen ist.
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Für ein Foto vom Ortskern muss man schon einen Moment Geduld aufbringen, bis einem nicht zu viele Menschen durchs Bild laufen. |
Wenn man diesem kleinen Schmuckstück am Meer wirklich gerecht werden will, muss man eines tun: Da sein, wenn sich die Touristenschwärme wieder auf ein erträgliches Maß gelichtet haben – denn erst dann lässt dieser Kleinod einen Blick auf sich selbst zu, auf den fast märchenhaft anmutenden Ortskern mit seinen historischen Gassen, malerischen Häuserzeilen, die einfach zum Flanieren einladen oder den Hafen mit seinen bunt-„vernetzten" Krabbenkuttern und den kleinen, gepflegten Häusern rundherum, die den passenden Rahmen für ein harmonisches Bild dieses verspielt-verträumten Fischerortes bilden.
Die ganz eigenen „Greetsieler Aussichten” bei langen Deichspaziergängen, die wunderschöne Natur drumherum, die markanten Zwillings(wind)mühlen, zwei Galerieholländer am Ortseingang, das Buddelschiff-Museum und – etwas außerhalb von Greetsiel – der Pilsumer Leuchtturm sind andere lohnende Ziele.
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Die beiden Zwillingsmühlen sind ein Blickfang am Ortseingang |
Doch was kann Greetsiel denn nun dafür, dass es so schön ist? Erst einmal natürlich – nichts! Aber für den Umgang mit den Touristen schon! Sicherlich ist es zuweilen eine logistische Herausforderung damit fertig zu werden – und nur, weil immer mehr Menschen nach Greetsiel kommen, wird der Ortskern ja nicht größer – uns ist dieses Problem sehr wohl bewusst.
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Auch die Kleinigkeiten sind hier liebevoll gestaltet |
Dennoch kann es nicht sein, dass manche Restaurants am Hafen die Bewirtung des Kunden nicht wichtig nehmen, er unter Umständen unakzeptabel lange auf sein Essen warten darf, möglicherweise sogar noch auf das, was gar nicht bestellt wurde – Tische erst nach Aufforderung abgewischt werden und dem Gast die Speisekarte im Angesicht voller Aschenbecher überreicht wird. Na, dann guten Appetit! Beschwerden begegnet man mit dem Hinweis auf die vielen Gäste, es wäre eben einfach zuviel los.
In Ordnung! Wer viele Gäste hat, verdient allerdings auch viel und kann, nein muss logischerweise für ausreichend Personal sorgen.
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Bei einer Fahrt durch die Kanäle in und um Greetsiel lernt man den Ort aus einer anderen Perspektive kennen |
Aber genau das wird nicht gemacht, man ver-dient zwar an den Touristen, be-dient sie aber offensichtlich weit weniger gerne. Schließlich sind die bald wieder weg, haben aber das schöne Geld dagelassen.
Weshalb sich dann anstrengen? Greetsiel ist immer gut besucht, also auf ein Neues!
Das soll aber keine Verallgemeinerung sein. Es gibt natürlich auch andere Gastwirte, Greetsieler, die ihre Kunden ernst nehmen und sich unendlich viel Mühe geben, möglicherweise deshalb, weil Ihnen ihr Beruf Spaß macht und sie eine gewisse Erfüllung darin finden.
Da fällt mir doch gleich der Skipper der „Laugskip” ein, der seinen Fahrgästen mit seinem zum Aussichtsboot umgebauten Lastkahn auf den Kanälen Greetsiels den Ort und das Leben dort näher bringt. Während der sehr kurzweiligen Fahrt versorgt er die Menschen an Bord mit interessanten Informationen über die Funktion der Kanäle zur Entwässerung, über die Auseinandersetzung der Menschen an der Küste mit der Natur, der harten Arbeit und dem ärmlichen Leben der Landbevölkerung in den letzten Jahrhunderten und den Veränderungen, die die Hinwendung zum Tourismus mit sich gebracht hat.
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Wenn man will, kann man auf den Kanälen quer durch Ostfriesland fahren |
Es war eine echte Leistung, soviel am Stück zu „sabbeln”, aber der Skipper ist ein Kölner, und DIE könnten das eben, so meinte er nicht ohne Stolz. Zu Recht! Wir haben uns sehr wohl gefühlt – und auf der Fahrt viel über Greetsiel, seine Geschichte und die Ostfriesen gelernt. Von ihm bekamen wir auch den Tipp, uns einmal den Kattrepel anzusehen, eine kleine Straße mit winzigen Häusern. Was heute aber niedlich aussieht, war früher Zeichen großer Armut. Im kleinsten Haus mit einer Wohnfläche von nur 28 m² wohnte im 19. Jahrhundert eine siebenköpfige Familie.
Die Straße hat ihren Namen übrigens von den Seilereien, die hier früher ansässig waren. Das niederdeutsche Reep bedeutet Schiffstau oder Seil. Die bekannteste solcher Straßen ist wohl die Hamburger Reeperbahn, wo vor der Änderung des dortigen Gewerbe-Schwerpunkts auch viele Seilereien ihr Zuhause hatten.
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