Im Naturschutzgebiet Holler Moor / Wittemoor gibt es noch weitgehend ursprüngliche Moorlandschaften
In ganz Norddeutschland gibt es zahlreiche Moorgebiete, vielfach als Niedermoor, aber in Nordwestdeutschland, vor allem im Ammerland und Emsland, in Ostfriesland und der Wesermarsch auch als Hochmoor. Im Nordwesten werden sie auch als Fehn bezeichnet. Davon zeugen zahlreiche Ortsnamen in dieser Gegend. Das bedeutet aber nicht, dass Moore eine norddeutsche Spezialität sind. Es gibt sie auch im Osten (Oderbruch), in Bayern, im nördlichen und östlichen Europa und nahezu rund um den Erdball. Die größten Moorflächen gibt es in Russland, den USA, Kanada, Finnland, Schweden und Indonesien.
Die Seen in den Mooren wachsen mit der Zeit immer mehr zu. Aus den abgestorbenen Pflanzen entsteht Torf.
Die Moore bildeten sich nach der letzten Eiszeit vor etwa 12000 Jahren. Nach Rückgang der Eismassen blieben Stau- und Schmelzwasserseen zurück, an denen sich mit der weiteren Erwärmung der Atmosphäre immer mehr Pflanzen ansiedelten, vor allem Schilfpflanzen und Gräser, die nach ihrem Absterben nicht verrotteten, sondern sich am Boden der Seen ablagerten. Auch durch Überschwemmungen aufgrund des Meeresspiegelanstiegs infolge der gestiegenen Temperaturen entstanden große Wasserflächen, unter anderem auch in der norddeutschen Tiefebene.
Hier kann man die Gräser in dem See noch mal aus der Nähe sehen
Mit der Zeit wuchsen die Seen immer mehr zu und ein sumpfiger Boden aus abgestorbenen Pflanzenresten (Torf) entstand, auf dem dann Erlen und Weiden, später auch Birken und Kiefern wuchsen. Wenn die Bäume abstarben, bildete sich daraus mit der Zeit Bruchwaldtorf.
Die Hochmoore entstanden ab etwa 5000 v. Chr. infolge von weiteren Klimaveränderungen durch starkes Wachstum von Torfmoosen, die an ihrer Oberseite geschlossene Polster bildeten, die ständig höher wuchsen, während die unteren Pflanzenteile abstarben und zu Torf wurden. Schlussendlich liegt das Moor höher als seine Umgebung.
Birken gehören neben Erlen und Kiefern zum typischen Baumbewuchs in Moorgebieten
Die Entstehung der Moore in ihren verschiedenen Ausprägungen ist sicherlich komplizierter und vielschichtiger, aber wenn man 12000 Jahre geologische Entwicklung in wenigen Sätzen darstellen will, kann man nicht auf alle Details eingehen.
Ökologisch sind die Moore wegen ihres Wasserspeichervermögens, ihrer Filterwirkung für das Wasser und ihrer Fähigkeit, Kohlenstoff zu binden, interessant. Außerdem sind sie Lebensraum für zahlreiche Vögel, Insekten, Amphibien und Reptilien.
Die Menschen haben die Moore schon lange für sich genutzt. Die Spuren reichen bis in die Steinzeit zurück. Die Kultivierung der Moore für die Brennstoff- und Düngemittelgewinnung im großen Stil, wie sie im 18. Jahrhundert einsetzte, gefährden dieses Ökosystem jedoch zunehmend. Heute sind rund ein Drittel aller jemals auf der Erde vorhandenen Moorflächen verbraucht. Deshalb kommt dem Schutz dieser Gebiete eine um so größere Bedeutung zu.
Schema der Bohlenwegsrekonstruktion von 713 v. Chr. nach Dr. Hajo Hayen, einem ehemaligen Moorforscher am Oldenburger Landesmuseum für Natur und Mensch (Zeichnung von der Info-Tafel am Bohlenweg)
Im Naturschutzgebiet Hollermoor / Wittemoor, das zum Teil auf Huder Gebiet und zum anderen auf dem Gebiet der Gemeinde Berne / Landkreis Wesermarsch liegt (in soweit ist die Überschrift nicht ganz korrekt), versucht man, diese ursprüngliche Landschaft so gut es geht zu erhalten. Sehenswert sind hier auch die kurzen Abschnitte von Bohlenwegen, die in den 1990er Jahren rekonstruiert und neu aufgebaut wurden. Vorbild waren Wege, die Moorarchäologen bei Ausgrabungen im Holler Moor, im Wittemoor und im Ipweger Moor nordöstlich von Oldenburg in den Jahren 1965, 1970, 1989 und 1990 fanden. Leider sind die Wege von der Gemeindeverwaltung vernachlässigt worden und völlig überwuchert. Trotzdem kann man noch gut die verschiedenen Bauweisen der Bohlen- bzw. Pfahlwege erkennen.
Es ist schon bezeichnend, dass der Original-Bohlenweg über 2000 Jahre alt geworden ist, der rekonstruierte Weg dagegen nach noch nicht einmal 20 Jahren schon fast auseinanderfällt. Die Gemeinden Berne und Hude bewerben diesen Weg als Sehenswürdigkeit – da sollte man ihm dann aber auch wenigstens ein Mindestmaß an Pflege angedeihen lassen. Immerhin wurden die nahezu unleserlichen Info-Schautafeln in der Zwischenzeit ausgetauscht.
Die Moorarchäologie ist deshalb so interessant, weil durch die konservierende Wirkung der Moorsäure Funde aus organischen Stoffen, z. B. Moorleichen nahezu unversehrt erhalten sind. Im Oldenburger "Landesmuseum für Natur und Mensch" kann man solche Moorleichen und andere Moorfunde besichtigen.
Im Hintergrund sieht man den rekonstruierten Bohlenweg, wie er 1989 bei Ausgrabungen im Ipweger Moor gefunden wurde. Er stammte aus dem Jahr 713 v. Chr. und war rund 6,5 km lang. Der Bohlenweg im Vordergrund ist ein Nachbau eines 1965 im Wittemoor entdeckten Bohlenwegs, der aus dem Jahr 129 v. Chr. stammte. Das Alter konnte anhand von Jahresringanalysen der Bohlenbretter bestimmt werden. Die beiden Holzfiguren symbolisieren Mann und Frau.
Der Pfahlweg im unteren Bild entspricht einem Teil des Wittemoorer Bohlenwegs sowie eines etwa 2 km westlich im Holler Moor gefundenen Pfahlwegs.