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Leuchtturm Obereversand

Seit 2004 kann der ehemalige Leuchtturm in Dorum besichtigt werden
Schreibtisch
Früher sah es hier sicher nicht so behaglich aus: Der Schreibtisch des Leuchtturmwärters in der oberen Etage

Leuchtturm-Baustelle
Das Bild vom Sommer 2003 zeigt den eingerüsteten Leuchtturm während der Renovierungsarbeiten.
Der Dorumer Leuchtturm stand 117 Jahre lang auf der Sand­bank Eversand in der Außenweser. Lediglich die ersten 37 Jahre diente er als Leuchtfeuer. Als das Hauptfahrwasser 1923 in den Fedderwarder Arm verlegt wurde, verlor er diese Funktion. Danach diente er noch jahrzehntelang als Rettungs­station für in Seenot geratene Schiffs- und vor allem Boots­fahrer und wurde für diesen Zweck weiterhin vom Wasser- und Schiff­fahrtsamt unterhalten. Diesem Umstand ist es zu verdanken, dass seine Innen­einrichtung weitgehend original erhalten geblieben ist.

Im Winter 1994/95 wurde das Untergestell des Turms durch Eisgang stark beschädigt. Deshalb konnte man ihn in dieser Funktion nicht mehr weiter nutzen. Durch den Einsatz von Lokalpolitikern und einem Förderverein konnte er vor der Ver­schrot­tung gerettet und im März 2003 nach Dorum trans­por­tiert werden. Er wurde renoviert, erhielt eine Treppe als komfortablen Zugang und ermöglicht den Besuchern heute bei Führungen durch Mitglieder des Vereins einen Eindruck vom Leben und Arbeiten der Leuchtturmwärter im 19. und begin­nenden 20. Jahrhundert.

Ein kurzer Rückblick:

In den 40er Jahren des 19. Jahrhunderts verstärkte sich der regelmäßige Schiffsverkehr ab Bremerhaven nach Übersee. Bremer­haven entwickelte sich in der Folge zum größten Auswan­dererhafen des Kontinents. Schon damals galt die Losung „Zeit ist Geld” und so forderten die Reede­reien, auch nachts auslaufen zu können. Aufgrund der zahl­reichen Untiefen in der Nord­see war das aber ohne Befeuerung nicht möglich.

Leuchtturm-Kopf
Drei Etagen standen den Leuchtturm­wärtern zum Leben und Arbeiten zur Verfügung.
Das erste feste Leuchtfeuer, das in der Außenweser errichtet wurde, war der Leuchtturm „Hohe Weg”, der 1856 in Betrieb ging. Zur Verbesserung der nächtlichen Navigation entstanden 1885 der Leuchtturm „Roter Sand” als äußerster Vorposten und 1886/1887 die Leuchttürme „Obereversand”, „Unterever­sand” und „Meyers Legde” am Wurster Arm, dem damaligen Hauptfahrwasser der Außenweser.

Lagerraum
Der Lagerraum in der unteren Etage. Hier befand sich u. a. ein Teil des Trinkwasser-Vorrats sowie Fisch- und Krabbenfang-Utensilien.
Das 35 m hohe Oberfeuer bildete dabei zusammen mit dem 14 m kleineren Unter­feuer eine Richtfeuer­linie für aus­fah­renden Verkehr durch den Wurster Arm, während der 26 m hohe Leuchtturm „Meyers Legde” Leitfeuer für das Dwars­gat war. Alle drei Türme waren als viereckige, sich nach oben verjüngende Stahl­türme auf vier Stahl­beinen gefertigt.

Aufgrund von Fahrwasser­veränderungen entstand 1905 etwa 800 m vom alten entfernt ein neuer Leuchtturm „Meyers Legde” – diesmal als 24 m hoher runder Backsteinbau. Er blieb bis 1918 in Betrieb. Nach Ausbaggerungs­arbeiten in der Außen­weser wurde das Leuchtfeuer wieder zurück auf den alten Turm verlegt. Ab 1923 nach der Fahrwasser­verlegung wurde er noch bis 1945 als Quermarken­feuer genutzt. Die Laterne des neuen Turms wurde im Leuchtturm Robbenplate weiter­verwendet.

Küche
Die Küche des Leuchtturms in der zwei­ten Etage mit ihrem Kohleherd ist nur spartanisch ausgestattet.
Doch zurück zum Leuchtturm Obereversand. Durch die vier­eckige Bauweise ist der Turm verhältnis­mäßig geräumig. Die Wände bestehen einer­seits aus der äußeren Metall­wand und zum anderen aus einer soliden inneren Holzvertäfelung. Durch die gründliche Belüftung des Zwischenraums ist das Holz noch in einem sehr guten Zustand. Deshalb musste hier nicht viel restauriert werden. Auch der innere Anstrich mit seinen Decken­verzie­rungen ist weitgehend original.

Arbeitszimmer
Neben dem Arbeitstisch sieht man den Morse-Telegraphen unter dem Glas­kasten und im klei­nen Regal eine Reihe von Signalflaggen.
Die Besatzung bestand nor­ma­lerweise aus drei Leucht­turm­wärtern, von denen übli­cher­weise zwei gleich­zeitig auf dem Turm waren. Sie blieben 6 Wochen und hatten dann 2 Wochen frei. Für den Dienst wurden seiner­zeit nur ausge­bildete Seeleute einge­stellt. Sie wechselten sich beim Küchen­dienst und ihren nauti­schen Aufgaben ab.

Diese bestanden im Wesentlichen aus dem Betrieb und der Pflege des Leuchtfeuers. Bis 1905 hatte der Leuchtturm eine Petroleumdochtlampe, danach wurde er auf das hellere Petro­leum-Glüh­licht umgestellt. Der Brenner musste nachts immer beachtet, der Docht regel­mäßig nachge­stellt werden. Tags­über wurde er dann gründlich geputzt. Darüber­hinaus über­mittelten die Wärter mit einem Morse-Tele­graphen Schiffs- und Wetter­meldungen an das Festland, mit dem der Turm von Anfang an per Seekabel verbunden war.

Küche Kojen Laterne
Das „Bad” bestand aus einer Wasch­schüssel mit Kernseife und einer Wasser­kanne in der Küche. Die Toi­lette befand sich früher in einem klei­nen Anbau auf der Galerie.
Schlafen musste die Mann­schaft in Alkoven-ähn­lichen Kojen halb liegend, halb sitzend. Im Arbeitsraum gibt es noch eine weitere Koje.
Ein richtiges Leuchtfeuer ist nicht eingebaut. Dank der fresnelschen Gürtellinse kann man trotzdem das Licht der kleinen Lampe nachts noch in 5 sm Entfernung sehen.

Mehr Informationen auf der Homepage des Fördervereins Leuchtturmdenkmal Obereversand.


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