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Die lange Fahrt zum Leuchtturm Roter Sand

Leuchtturm Roter Sand
Auf blauen Himmel bei einer Fahrt zum Rote Sand mussten wir noch länger warten

Normalerweise dauert die Tour hin und zurück 6 Stunden, bei uns wurden daraus aber 3 lange Jahre! Wie das angehen kann? Leider wird speziell diese Leuchtturmfahrt relativ selten ange­boten: Einmal kann man sein Ziel mit dem Hochseeschlepper „Goliath” von Bremerhaven aus erreichen (Anmerkung: ab 2011 nicht mehr), eine zweite Möglichkeit bietet sich ab Fedder­war­der­siel mit der „Wega II”. Nicht zuletzt wegen des deutlich günstigeren Preises entschieden wir uns für die „Wega”.

Kutter
Ein Krabbenkutter fährt am Leuchtturm Hohe Weg vorbei. Selbst die „Wega II” mit ihrem geringen Tiefgang konnte nicht mehr richtig nah an den Leuchtturm heranfahren. Die Sandbank, auf der er steht, ragt hier schon aus dem Wasser.

Doch leider spielte uns der viele Regen immer wieder einen Streich … oder der Wetterbericht selbst erwies sich als Ente. Da man sich ca. 5 Tage vorher anmelden sollte, war eine kurz­fristige Entscheidung leider nicht möglich. Denn wir bestanden einfach auf „Schönwetter­auf­nahmen” vom „Rote Sand”. Viele Menschen aus der Gegend lassen unkorrekterweise das „r” im Namen weg … wir gehören übrigens auch dazu. Man stelle sich vor: Das schönste Bauwerk sei­ner Art – in prächtigem Rotweiß, vor leuch­tend-blauem Himmel! Nur vor einer solchen Ku­lisse konnten wir diesem Leuchtturm gerecht werden! Norddeutsches, diesiges Schmuddel­wetter kam da natürlich überhaupt nicht infrage!

Leuchtturm Hohe Weg
Bei einer anderen Tour mit der „Wega II” konnte man den „Hohe Weg” richtig aus der Nähe sehen

Auch diesen Sommer schien es nicht zu klappen: Dauer­regen und Gewitter. Unfassbar, das wäre also das vierte Jahr in Folge! Aber wir wollten trotzdem was unterneh­men und entschlossen uns zu einer Fahrt nach Bremer­haven ins Auswan­derer­haus. Auf dem Weg dorthin rümpften wir unsere Nasen: Soooo schlecht sah es doch eigentlich gar nicht aus – wo blieben denn die angekün­digten Schauer? Also, sollten wir uns nicht vielleicht besser ganz spontan umentscheiden und doch zum Rote Sand fahren? Wir waren sogar auf der gleichen Strecke … und mussten nur geradeaus weiterfahren, anstatt rechts in den Weser­tunnel abzubiegen. Sollten wir es wagen? Wir waren nicht angemeldet und würden sicher keinen Platz mehr auf dem Schiff bekommen. Doch egal, unser Volvo weigerte sich standhaft in den Wesertunnel zu fahren – also landeten wir direkt am Hafen von Fedder­wardersiel.

Leuchtturm Alte Weser
Beim Leuchtturm Alte Weser war der Seegang schon deutlich erträglicher

Um die Sache zu verkürzen: Wir hatten unglaubliches Glück und konnten mitfahren! Plötzlich waren wir auf dem Weg zum Rote Sand! Komplett ungeplant, komplett spontan … und komplett ohne Sonnenschein, aber sehr zufrieden mit unserer Entschei­dung! Die Fahrt führte uns noch an anderen Leucht­feuern vorbei: Den knallroten „Robbenplate” konnte man in der Ferne sehen, ganz nah kamen wir dem Leucht­turm „Hohe Weg”, später sah man von weitem im Osten den schlanken „Tegeler Plate” und im Westen den dicken „Mel­lumplate”. Auf der Rück­fahrt würden wir noch die See­hund­bänke ansteuern. Keiner kann sich unserer Vor­freude so richtig vorstellen – wir selbst konnten es ja kaum glauben: Den Rote Sand, DEN „Leuchtturm schlechthin”, „ganz wirk­lich” zu sehen, ganz real – und mal nicht nur auf Fotos.

Aber dann kam sie: Die Übelkeit, verursacht durch das Geschau­kel der Wega, die für die größer werdenden Wellen im tieferen Wasser jenseits der Tegeler Plate eigentlich nicht gebaut ist. Wohlgemerkt: Das Schiff kann das ab – nur nicht jeder Passagier.

Dazu muss man wissen, dass die Wega eine Art „Plattbodenschiff” ist, gebaut, auf Sand­bänken aufzusetzen, um in der Seehund-Aufzuchtstation Norddeich wieder aufgepäppelte Seehunde aussetzen zu können. Deshalb hat sie kaum Tiefgang und ist kurz und breit, um auf unebenen Grund nicht umzukippen oder gar auseinanderzubrechen.

Apropos „brechen”: Kapitän Dieter Nießen warb für entprechende Tüten und Kaugummis, während die Wega ihren Bug immer tiefer ins Wasser tauchen ließ. Dieses Auf und ab ließ ein vernünftiges Stehen auf dem Schiff nicht mehr zu – an Laufen war eigentlich gar nicht mehr zu denken. In diesem Zustand erreichten wir den Rote Sand. Oh je, wie sollen wir ihn aufnehmen, diesen traumhaften Leuchtturm – ohne das wir … oder besser gesagt, die Folgen unseres Unwohlseins über Bord gingen.

Leuchtturm Leuchtturm Leuchtturm Leuchtturm
Der Leuchtturm „Roter Sand” aus unserer ganz persönlichen Sicht: Wer sagt denn, dass man bei Seegang nicht fotografieren kann?

Na, irgendwie nahmen wir es denn doch sportlich. Und unsere Liebe zur Fotografie half uns über das Schlimmste hinweg. Wenn man erstmal konzentriert durch den Sucher seiner Kamera blickt, ist alles nur noch halb so schlimm! Hoffentlich haben wir wenigstens ein paar gute Bilder im Kasten – die „Aufnahmesituation" wurde zu einer „Ausnahmesituation” und echten Heraus­forderung! Doch die Schönheit, Präsenz und Imposanz dieses Leuchtturms entschädigte uns für jedwede Unbill: Wir waren komplett begeistert, selbst der graue Himmel konnte unsere Stimmung nicht verdunkeln. Im Gegenteil, wir waren froh, dass es trocken blieb … ok, von oben, von unten spritzte das Weserwasser zuweilen ganz schön! ;-)

Danach ging's in Richtung Osten ein paar hundert Meter weiter zum Leuchtturm „Alte Weser”. Gott sei Dank waren hier die Wellenbewegungen deutlich humaner. Er ist viel moderner und mit seinem nahezu riesigen Oberteil, seinem großen Leuchtfeuer und den vielen Antennen eine imposante Erscheinung. Und dennoch kann er es nicht ganz mit dem Charme des verspielt knuffigen Rote Sand aufnehmen.

Seehunde
Als Seehund kann man es hier offensichtlich aushalten: Die Tegeler Plate wird auch bei Hochwasser nicht überflutet.

Auf der Rückfahrt besuchten wir noch die Seehunde auf der Sandbank Tegeler Plate. Die „Wega II” näherte sich den Seehund­bänken ganz sachte, sehr behutsam und mit gedros­selter Motorkraft. Vorher wur­den wir, also die Passa­giere, um absolute Ruhe gebeten. Ab jetzt war es auf dem Schiff mucksmäus­chen­still und man hörte besten­falls das Surren und Klicken der Kameras – mehr nicht! Die Anordnung des Kapitäns war keine Schika­ne, sondern hatte ihren Grund: Je leiser es war, desto näher konnte die „Wega” an die Seehunde heranfahren – und diese sympa­thischen Meeres­bewohner so nah wie mög­lich vor „Augen und Linse” zu bekommen, nein, das wollte sich hier wohl niemand entgehen lassen!

Ist man gestresst, dann reicht ein einziger Blick auf die vollkommen entspannten Seehunde, die da auf ihrer Sandbank wohlig dösend ihr Leben genießen. Nicht wenige von ihnen schwimmen neugierig um die „Wega” herum. Es ist, als wollten sie uns alle unter­halten. Lustig und gewitzt sehen sie aus, tauchen auf und ab und blicken keck und gut gelaunt zu uns empor. Oh, es sind wirklich nette Tiere, diese Seehunde, und wir wünschen ihnen „allzeit reichlich leckere Nordsee­fische”!

Wir hoffen, dass unser Enthusiasmus ein wenig auf die Besucher dieser Website „über­schwap­pen” konnte und sie genauso­viel Spaß an den Leuchtturm­bildern haben, wie die beiden Hobby­fotografen auf den zeitweise „wankenden Planken” der „Wega II”! Sie ist übrigens ein schönes Schiff und eine Fahrt mit dem netten Kapitän und seiner Crew können wir nur empfehlen!

Neue Bilder vom Leuchtturm Roter Sand bei besserem Wetter sehen Sie hier. Die anderen Leuchttürme in der Außenweser haben wir auf unserer Außenweser-Seite näher beschrieben.

Zur Wega II gibt's hier weitere Infos.


Zur Landkarte Zum Bericht von unserer letzten Fahrt